3. mája 2015

Kirche in Österreich heute und morgen

INTERVIEW MIT DEM H. H. DIAKON MANUEL SATTELBERGER
Manuel Sattelberger

Hochwürdiger Herr Diakon Sattelberger, können Sie sich, bitte, den Lesern wenigstens kurz vorstellen?
Mein Name ist Manuel Sattelberger und bin am 4.2.1981 in Scheibbs in Niederösterreich geboren. Aufgewachsen bin ich bei meinen Eltern Josef (Bankdirektor) und Renate (Hausfrau) in Petzenkirchen. Ich hatte einen Bruder: Dominik. Er ist bei einem Verkehrsunfall mit 25 Jahren verstorben. Schullaufbahn: Kindergarten, Volksschule, Hauptschule, Polytechnische Schule, Lehrberuf Tischler mit Landesberufschule Pöchlarn, Gesellenprüfung abgelegt, 1999 Eintritt ins Seminar für kirchliche Berufe in Wien (existiert nicht mehr - wurde geschlossen). Kindheit: eifriger Ministrant bis zum 18. Lebensjahr, lustiges Jungscharkind u. selbst Begleiter für Kinder in der Heimatpfarre, Firmhelfer, kirchlich-pfarrlich immer sehr beheimatet, hatte ein "stilles" Berufungserlebnis - (es) Gott hat mich immer angezogen!

Gott hat mich sehr still aber sehr beharrlich "gerufen". 4 Jahre Studium am Seminar für Kirchliche Berufe / Lehranstalt für Kirchliche Berufe in Wien-Ober St. Veit, Abschluss mit Diplom (ausgezeichneter Erfolg – lauter "Sehr gut!"), 1 Jahr Zivildienst statt Bundesheer bei schwer behinderten Kindern, am 2004 Pastoralassistent und Religionslehrer (Volksschule und Neue Mittelschule) in der Pfarre St. Valentin, 2010-2014 Ausbildung zum Diakon bei der Diözese St. Pölten, 22.9.2014 Weihe zum Diakon im Stift Melk durch H.H. Bischof DDr. Klaus Küng. Seitdem Pastoralassistent UND Diakon in der Pfarre St. Valentin. Ich liebe meine(n) Beruf(ung)!

Sie gehören zur jüngsten Generation der Österreicher. Wie ist die gegenwärtige Situation mit den Berufungen in der österreichischen Katholischen Kirche? Schätzen Sie sie positiv, negativ, oder vielleicht vorsichtig?
Berufungen gibt es in Österreich! Die Kandidaten treten im reiferen Alter in die Seminarien bzw. Ordensgemeinschaften ein. Viele haben schon einen fertigen Beruf oder haben ein Studium absolviert. Das entspricht dem allgemeinen Trend: Lebensentscheidungen werden immer später getroffen! Eheleute heiraten, wenn überhaupt, auch im "reiferen" Alter. Ich bin ein zuversichtlicher Mensch, daher sehe ich die Lage positiv! Es ist gut, wenn sich die Menschen gut prüfen und ihre Entscheidungen gut treffen. Das Berufungsalter hat sich nach hinten verschoben. Und Gott ruft die unterschiedlichsten Menschen. Manche kommen aus so genannten "frommen" Familien u. Gemeinschaften, andere hatten ein Bekehrungserlebnis. Die Berufungslandschaft ist bunt und vielfältig, so wie die Kirche im Ganzen! Außerdem gibt es neben den klassischen geistlichen Berufungen auch viele neue kirchliche Berufe die junge Menschen anziehen! (Pastoralassistentin, Jugendleiterin, Religionslehrerin, .) Ich bin zutiefst überzeugt: Gott ruft ständig! Gott ruft auch in Österreich! Hörst DU seinen Ruf?

Sie sind junge Mensch. Wie finden Sie die junge Generation in Österreich?
Die jungen ÖsterreicherInnen erleben eine Situation wie sie selten wo vorgefunden wird. Sie leiden keine Not, haben alle Möglichkeiten und leben in Frieden! Wenn gleich auf den jungen Leuten auch ein Druck liegt, sich ständig entscheiden zu müssen! Viele "Stimmen" rufen sie, und der Überfluss an Auswahlmöglichkeiten macht es den jungen ÖsterreicherInnen auch nicht einfacher. Junge Menschen bei uns haben hohe Werte, sie wollen einen guten Arbeitsplatz haben und in einer intakten Familie leben. Kirchlich gesehen "fehlen" die jungen Österreich mancherorts. Es kommt halt auch darauf an, ob sich die Pfarrgemeinden für die jungen Menschen interessiert und für sie Angebote setzt. Wo man auf junge Christen zugeht, kommen sie! Wir müssen lernen von einer "Komm-Christ-zur-Kirche" zu einer "GEH-HIN-KIRCHE" zu werden! Beten wir, dass uns das gelingt, denn die Botschaft Jesu Christi ist hochaktuell auch für junge Menschen und ihre Lebenswelt.

Eine Sache besonders deprimiert mich. Österreichischer Volk ist mir nicht fremd. Österreich ist die Nachbarlandschaft meiner Heimat, der Slowakei. Wien und Bratislava waren in den Zeiten der Habsburger Monarchie die Zwillingsstädte. Ich selbst arbeite hier seit 2010. Leider, in den letzten Jahren erlebten wir in Österreich viele Affären. Nur kurz: Josef Fritzl, Wolfgang Priklopil, Ulrike Lunacek, Conchita Wurst, und viele andere. Für so eine Landschaft, wie die Österreich ist, ist es viel zu viel. Entschuldigen Sie mir meine Offenherzigkeit: ist vielleicht die österreichische Gesellschaft krank? Oder vielleicht ist die europäische Gesellschaft krank? Frage ich offen: was denken Sie davon?
Sie sprechen traurige/ernste Themen (Personen und Schicksale) an! Ich glaube, dass Österreich nicht krank ist, aber es gibt immer wieder Menschen die sich, sagen wir einmal "verirren" oder wirklich anderen Menschen schreckliches antun. Fritzl, Priklopil kann man aber auf keinen Fall mit "Frau" Wurst gleich setzen. Wir erleben in unserer Zeit einen "Aufbruch" in die Freiheit. Ch. Wurst provoziert bewusst die Gesellschaft, sie/er macht da auch kein Geheimnis daraus. Vieles worüber man "früher" nicht gesprochen, oder nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt hat, wird in unserer Zeit oft medial ausgelebt und provozierend "beworben". Menschen mit dieser Neigung hat es immer gegeben, im Untergrund und geheim, jetzt kommen sie an die Oberfläche! Bitte unterscheiden wir zwischen wirklichen Straftätern und anderen (und vielleicht fremden) Lebensweisen! Noch einmal: Österreich ist nicht krank! Nicht kränker als andere Länder dieser Welt! Ich glaube wir müssen uns auch als Kirche diesen Tendenzen stellen, wir müssen nicht alles
gut heißen und bewerben, aber wir sind zu allen Menschen gesandt auch zu diesen und jenen! Wenn ich die Bibel richtig verstanden habe, würde Jesus auf alle Fälle "Frau Wurst" einen Besuch abstatten. Eine echte Begegnung mit Jesus verändert unser Leben!

Karol Dučák und Manuel Sattelberger
Immer noch 5,27 Millionen der rund 8,5 Millionen Einwohner in Österreich gehören der katholischen Kirche an. Also klare Mehrheit. Wie sehen Sie die Zukunft Österreichs als katholischer Landschaft?
Ich bin Seelsorger und nicht Zählsorger! Zahlen sind das eine. Die konkrete Wirklichkeit und die aktuellen Probleme der Menschen sind die andere Seite. Ja, wir sind die Mehrheit, aber auch im schrumpfen was die Zahlen betrifft. Die Österreicher haben oft große Angst vor anderen Religionen. (Stichwort Muslime). Leben aber ihre eigene Religion nur halbherzig oder wenn dann nur an den hochheiligen Tagen! Es müsste uns wieder gelingen, dass man als Christ, als Christin in Österreich stolz auf seinen Glauben, auf seine Kirchengemeinde ist! Und auch die diversen "Kirchenskandale" (Missbrauch durch Geistliche, Gewalt, .) machen es den wankelmütigen Menschen nicht leichter! Ja, wir haben mit Sicherheit an Glaubwürdigkeit verloren und das schadet unserer Kirche sehr! Wenngleich es uns immer vielmehr im Jesus Christus gehen sollte und nicht um Strukturen und andere Nebensächlichkeiten! Die Kirche muss Jesus verkünden und nicht sich selbst!

Wie sehen Sie die Zukunft der österreichischen Katholischen Kirche? Und wie sehen Sie Ihre Position drin?
Die Zukunft der Kirche wird spannend und ich bin gerne dabei. Soweit es mir möglich ist, werde ich auch mitgestalten und mitarbeiten! Die Botschaft Jesu darf nicht verstummen - da hat die Kath. Kirche in Österreich auch in der Zukunft viel zu tun! Mit Sicherheit werden wir zahlenmäßig kleiner werden, aber wir dürfen uns nicht damit abfinden. Geht zu allen Menschen und macht sie zu meinen Jüngern!, diesen Auftrag haben die Apostel und ihre Nachfolger von Christus selber erhalten! Es muss uns wieder mehr gelingen am konkreten Leben der Menschen Anteil zu nehmen, für ihre Sorgen und Freuden da zu sein. Verwalten alleine ist viel zuwenig und nicht im ersten Sinne Jesu! Es ist mir klar, dass es nicht ohne Verwaltung geht, aber die Menschen mit ihrer Gottesbeziehung müssen wieder in den Mittelpunkt rücken! Das Zentrum ist die Liebe Gottes zu uns Menschen! Eine Liebe die alle menschliche übersteigt, eine Liebe die hinüberreicht in die Ewigkeit! Ich bete sehr oft dafür, dass es allen Christen und Christinnen gelingt diese Beziehung zu Christus zu leben, zu finden, zu erneuern und zu vertiefen! Heilige Geist durchwehe unsere Herzen mit einer neuen Freude am Glauben!!!

Möchten Sie vielleicht noch etwas persönlich sagen?
Ich habe schon viel gesagt. Vielleicht oft sogar zuviel! Gott steht zu uns Menschen durch alle Höhen und Tiefen, ja er begleitet uns auch durch alle Verfehlungen und auf allen Irrwegen unseres Lebens! ER ist der gute Hirt! Ihm vertraute ich mein Leben und das Leben der mir anvertrauten an! Möge der göttliche Hirt uns alle segnen! Amen.

Für das Gespräch dankt Karol Dučák, slowakischer Journalist und Schriftsteller.
(Interview wurde schriftlich an die schriftlich geschickte Fragen geführt.)
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