9. septembra 2016

Erleben wir das Ende eines Schisma?

Slovenská verzia článku: Dočkáme sa konca schizmy?
Karol Dučák
Eines der schmerzhaften Probleme der katholischen Kirche, in den letzten Jahrzehnten, war auch das Schisma der Priesterbruderschaft St. Pius X. – unter der Abkürzung FSSPX bekannt – die eine Menge böses Blut zwischen die katholischen Theologen und Laien gebracht hat. Die gute Nachricht ist, dass offenbar dieses Schisma zu einem Ende kommt und die Aussicht auf Einigung der Priesterbruderschaft des Heiligen Stuhls realistischer, als je zuvor ist.
Wie eine offizielle Website des deutschen Distrikts der FSSPX informiert, hat Papst Franziskus am 1. April 2016 um 17 Uhr den Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., Bischof Bernard Fellay, und den zweiten Generalassistenten Pater Alain-Marc Nély im vatikanischen Haus St. Martha empfangen. Auf  Grund des persönlichen Wunsches des Papstes, sollte dieses Treffen eine private und informelle Art - ohne den offiziellen Charakter einer Audienz – haben. 

Seit der Wahl des Papstes im März 2013, hatte Bischof Fellay noch keine Gelegenheit gehabt, mit diesem Papst zusammenzutreffen, mit Ausnahme einer sehr kurzen Begegnung im Haus St. Martha am 13. Dezember 2013. Der Papst hat aber mittlerweile mehrere argentinische Priester der Priesterbruderschaft - wegen einiger  verwaltungstechnischer Schwierigkeiten, die das Verhältnis des Distrikts Argentinien mit dem argentinischen Staat betrafen – angenommen. Das letzte Treffen des Papstes Franziskus mit den Vertretern der Priesterbruderschaft am 1. April 2016 dauerte  40 Minuten und verlief in einem herzlichen Klima. Das Gespräch wurde mit der Entscheidung, den laufenden Austausch fortzusetzen, beendet. Obwohl über den kirchenrechtlichen Status der Priesterbruderschaft  nicht direkt gesprochen wurde, stimmten Papst Franziskus und Bischof Fellay überein, dass der gegenseitige Austausch ohne Übereilung fortgesetzt werden soll.
Am nächsten Morgen, Samstag, 2. April, absolvierte Bischof Fellay ein weiteres Treffen mit dem Sekretär der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, Mgr. Guido Pozzo. Beziehungen der Priesterbruderschaft mit dieser Kommission gibt es seit den Lehrgesprächen von 2009–2011 und während dieser Zeit, gab es Besuche mehrerer Prälaten. (Vergl. Papstaudienz für Bischof Bernard Fellay. In: FSSPX/MG-DICI zo 04. 04. 2016. Über das Internet erreichbar: www.dici.org)
Über die dramatische Annäherung der Priesterbruderschaft St. Pius X. an den Heiligen Stuhl zeugen auch viele andere Signale von beiden Seiten. Für alle können wir ein Dokument anführen, das vor kurzem aus dem Milieu der FSSPX „entschlüpfte“. Worum es geht? In aller Kürze kann man zu dieser Angelegenheit ein paar grundlegende Fakten anführen. Am 19. 2. 2016 gab Pater Franz Schmidberger, ehemaliger Generaloberer der FSSPX von 1982 bis 1994 und heutiger Rektor des deutschen Priesterseminares der FSSPX im bayerischen Zaitzkofen, das Dokument Überlegungen zur Kirche und zur Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihr heraus, in dem er ein halbes Dutzend Argumente nennt für die Normalisierung der Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl und die anschließende kanonische Stellung für die FSSPX. Offenbar sollte es ein internes Rundschreiben für die Innenbedürfnisse der FSSPX sein, jedoch scheint es, dass jemand ein eminentes Interesse hatte, dem Dokument die unerwünschte Publizität zu gewährleisten. Wie immer es sein mag, dieses Rundschreiben deckt den realen Hintergrund der Bemühung der höchsten Vorsteher der Priesterbruderschaft St. Pius X. um die Normalisierung der Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl auf, und man muss feststellen, dass die Argumente des P. Franz Schmidberger wirklich wuchtig sind. 
Kurz kann man es so etwa rekapitulieren: die derzeitige Situation ist abnormal, und eine solche Situation fordert aus sich selbst die Normalisierung. Dies ergibt sich aus der Natur der Sache. Man kann den aktuellen Stand der Sachen nicht als endgültig auffassen und man kann auch nicht akzeptieren, dass viele Gläubige und Mitglieder der FSSPX resignierten und begannen die abnormale Situation als normal anzusehen. Doch wurde die Gründung der Priesterbruderschaft durch die Argumente ihrer Stifter von Notstand motiviert, und ein Notstand kann doch nicht ewig dauern. Wegen der Ablehnung der Bemühungen um die Anerkennung der richtigen Jurisdiktion durch Papst Franziskus verliert sich sensus Ecclesiae (Sinn der Kirche). Die Abschwächung des Gefühls der Zugehörigkeit zur einzig wahren katholischen Kirche verursacht den Gläubigen und den Mitglieder der FSSPX die große Schädigung. Die Priesterbruderschaft hat unter katholischen Bischöfen und Kardinälen nicht wenig von Sympathisanten und Freunde, die im Falle der Normalisierung der Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl bereitwillig wären, die Priester und Bischöfe der Priesterbruderschaft zu Hilfe einberufen. Sie würden gerne die Kirchen und die Seminare in die ihre Pflege anvertrauen, aber es ist derzeit nicht möglich. Die Anerkennung regulärer Jurisdiktion durch Papst Franziskus würde den Sympathisanten der FSSPX aus den Reihen der offiziellen Struktur der katholischen Kirche ihre Hände aufbinden und es könnte viele Hindernisse für die gegenseitige Zusammenarbeit zum Wohl ganzer katholischen Kirche zu entfernen. Überdies wäre die Kennzeichnung der Priesterbruderschaft als schismatischer abtrünniger Struktur, stehender außerhalb der katholischen Kirche, definitiv zu Ende. FSSPX braucht auch neue Bischöfe, und es wäre für die ganze katholische Kirche besser, die neue Bischöfe mit päpstlichem Mandat weihen können.
Die kirchenrechtliche Lösung für die FSSPX könnte auch ein indirekter Angriff gegen die Ultramodernisten, Liberalen und andere Umstürzler der Kirche sein. Der offizielle Akt der Anerkennung der Priesterbruderschaft würde eine gesunde Unruhe in der Kirche auslösen, die würde die Guten ermutigen und die Bösewichten eine Niederlage verursachen. (Vergl. Schmidberger, F. Überlegungen zur Kirche und zur Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihr. In: Novus Ordo Watch. Über das Internet erreichbar: www.novusordowatch.org.pdf)
Es könnte erwartet werden, das Hinterbringung des Dokuments vom P. Franz Schmidberger verursacht – wie anders! – die militante Kontern der Anhänger von Bischof Williamson aus der abtrünnigen Struktur der Lefèbvristen, unter Benennung Katholische Widerstandsbewegung bekannt. Angriffe des Bischofs Williamson auf die FSSPX tatsächlich ließen nicht lange auf sich warten. (Vergl. Kritik zu Pater Schmidbergers Überlegungen von S. E. Bischof Williamson. In: Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. Über das Internet erreichbar: https://kirchfahrter.wordpress.com).
Übrigens, P. Schmidberger hat selbst solche Angriffe auf die FSSPX voraussehen und in seinem Rundschreiben antwortet auch auf die Fragen, die seine Tat mit größter Wahrscheinlichkeit bringt. Eine unter ihnen ist auch die Frage, was werden an die Bemühungen um die Erlangung kanonischer Lösung für die FSSPX die Leute des „Widerstandes“, vom Bischof Williamson führenden, sagen. P. Schmidberger so antwortet auf diese Frage: „Wir können unser Handeln nicht nach Leuten ausrichten, die ganz offenkundig den Sinn für die Kirche und die Liebe zur Kirche in ihrer konkreten Form verloren haben. Inzwischen sind sie übrigens unter sich selbst vollkommen zerstritten.“ (Schmidberger, F. Überlegungen zur Kirche und zur Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihr. In: Novus Ordo Watch. Über das Internet erreichbar: www.novusordowatch.org.pdf)
P. Schmidberger in seinem Dokument widmet die Aufmerksamkeit auch dem Papst Franziskus, dem die militante Gegner aus dem traditionalistischen Lager können nicht auf den Namen kommen. P. Schmidberger verteidigte jedoch die Autorität des Papstes mit den Worten: „Die Kirche ist unfehlbar in ihrem göttlichen Wesen; aber sie wird von Menschen getragen, die irren und auch mit Fehlern behaftet sein können. Von der jeweiligen Person ist das Amt zu unterscheiden… Heute ist Papst Franziskus Inhaber des päpstlichen Amtes mit der Primatsgewalt. Zu einer Stunde, die wir nicht können, wird er abtretten und ein anderer Papst wird gewählt werden. Solange er aber den Päpstlichen Stuhl innehat, anerkennen wir ihn als solchen und beten für ihn… Als aber Christus das Papsttum einsetzte, sah er die ganze Reihe der Päpste die Kirchengeschichte hindurch voraus, auch einen Papst Franziskus. Und trotzdem hat er dessen Besteigung des päpstlichen Thrones zugelassen.“ (Schmidberger, F. Überlegungen zur Kirche und zur Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihr. In: Novus Ordo Watch. Über das Internet erreichbar: www.novusordowatch.org.pdf)
Und an einem anderen Ort er führt an: „Wir machten bereits eingangs die Unterscheidung zwischen Amt und Person. Wenn Franziskus Papst ist – und er ist es -, dann hat er auch den Jurisdiktionsprimat über die ganze Kirche inne… Gehen wir den Weg, der der Kirche nützt; richten wir unser Handeln nicht nach der Gunst der Menschen, und Gott wird uns segnen.“ (Schmidberger, F. Überlegungen zur Kirche und zur Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihr. In: Novus Ordo Watch. Über das Internet erreichbar: www.novusordowatch.org.pdf)
An die vorgesehene Frage, wie kann jemand eine Anerkennung durch Papst Franziskus anstreben, P. Schmidberger antwortet außer anderem mit diesen Argumenten: „Vielleicht ist es auch gerade Papst Franziskus, der mit seiner Unberechenbarkeit und Improvisation zu solchem Schritt imstande ist.“ (Schmidberger, F. Überlegungen zur Kirche und zur Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihr. In: Novus Ordo Watch. Über das Internet erreichbar: www.novusordowatch.org.pdf)
Es sollte hinzugefügt werden, dass diese Einschätzung zu schlagfertig ist. Gerade in der Person des Papstes Franziskus sieht P. Schmidberger – ganz gerechtfertigt - höchste Chance zur Durchsetzung der Anforderungen der FSSPX, mit denen die Priesterbruderschaft bedingt die Vereinigung mit dem Heiligen Stuhl. Schon lange hatte die katholische Kirche keinen Papst, der wäre so kompromissbereit, wie Papst Franziskus. Seine Sehnsucht, alle zerstreute Kinder zurück in den Schoß der katholischen und apostolischen Kirche bringen, ist so stark, dass er ist bereit mit seinen Zugeständnissen viel weiter als seine Vorgänger zu gehen. Im Unterschied zu seinen Vorgängern der jetzige Papst abfordert sogar keine Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die derzeitige Führung der FSSPX hat eine enorme Chance es erreichen, wovon Erzbischof Lefèbvre nur träumen konnte. Es kann ihr nämlich gelingen, dass Heilige Stuhl die Priesterbruderschaft St. Pius X. solche anerkennt, wie sie wirklich ist. Ohne das müsste sie von ihren Positionen zurückzuziehen. Wenn die FSSPX diese historische Chance verpasst, in der Zukunft musste man eine ähnliche Gelegenheit nicht mehr wiederholen.
An die Einwände derjenigen, die befürchten, dass die FSSPX bei der Integrierung in die Strukturen der Kirche verliert ihr Profil, oder sogar die Identität, gibt P. Schmidberger mehrere Gegenargumente an. Er wies außer anderem auf das Beispiel der Priesterbruderschaft St. Petrus, die schon seit fast 28 Jahren existiert und mit wenigen Mängeln blieb treu zu ihren Idealen. Die FSSPX hat auch eine recht umfangreiche Hierarchie ihrer Bischöfe und Priester, die das Risiko von Identitätsverlust reduziert. Darüber hinaus wurde die Priesterbruderschaft vom Heiligen Stuhl bestimmte Garantien für die Zukunft fordern, die könnten durch eine Personalprälatur gewährleistet zu sein. Ist es dabei ein Paradox, das der Vertreter der FSSPX, die stellt sich negativ zum Zweiten Vatikanischen Konzil, erwägt eine Lösung, die gerade das Zweite Vatikanische Konzil erlaubte. Die Einrichtung der Personalprälaturen löste das Konzil im Dekret Presbyterorum ordinis. (Vergl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, č. 10)
Was aber am wichtigsten ist, nach dem P. Schmidberger die Priesterbruderschaft darf sich nicht nur auf seine eigene Kräfte und Fähigkeiten verlassen, sondern vor allem auf die Hilfe Gottes. Und sein Dokument beendet er mit dem herrlichen Fazit, in denen sich die folgenden Sätze ausnehmen: „Ist die Bruderschaft nicht übrigens der allerseligsten Jungfrau geweiht, die ihr Werk auch in einer neuen Lage beschützen und leiten wird? Dignare me laudare te, Virgo sacrata; da mihi virtutem contra hostes tuos – Würdige mich, dich zu loben, heilige Jungfrau: gib mir Kraft wider deine Feinde.“ (Schmidberger, F. Überlegungen zur Kirche und zur Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihr. In: Novus Ordo Watch. Über das Internet erreichbar: www.novusordowatch.org.pdf)
Schönerer Fazit dieses Dokuments kann man sich kaum vorstellen und uns allen nur hoffen bleibt, dass die neue Hoffnung, die dank der aktuellen Führung der FSSPX vor der katholischen Kirche erstrahlt, erlischt nicht früher, als sie den erfolgreichen Abschluss erreicht.
Karol Dučák
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